Gut zu wissen, was für mich gefühlt dazugehört
Gut zu wissen, was für mich gefühlt dazugehört
Zurückführen auf das Wesentliche
„Ist das nicht Esoterik? Ich bin da eher skeptisch.“
Ein bisschen schon. Ein bisschen dürfen Sie an die Magie der Pflanzen glauben. Genau darum geht es in der Alchemie: nicht um Aberglauben, sondern um die alte Kunst, das Wesen der Dinge zu erkennen. Lange bevor Alchemie mit der Suche nach materiellem Gold verwechselt wurde, war sie die Frage, was in einer Sache steckt, wenn man sie bis auf ihren Kern zurückführt.
Was im Außen gewöhnlich scheint – ein Kraut, ein Stein –, trägt im Inneren womöglich mehr, als das Auge zuerst sieht. Nach genau diesem Prinzip arbeitet bis heute die Spagyrik: Was verborgen war, wird sichtbar.
Diese Suche hat eine literarische Schwester: die Suche nach dem heiligen Gral. Was die Ritter der Artus-Sage im Außen suchten – einen Kelch, ein Wunderobjekt –, war am Ende vielleicht kein Gegenstand, sondern eine Fähigkeit: den Kern einer Sache zu erkennen, wenn man ihm begegnet. Der innere Gral liegt in der Fähigkeit, sich selbst zu begegnen – nicht in einem äußeren Fund.
Wie dieser Weg im Einzelnen aussieht, ist von Verfahren zu Verfahren unterschiedlich und bleibt heute oft bei den Herstellerfirmen ein gut gehütetes Geheimnis. Was bleibt, ist das Prinzip dahinter: Veredelung entsteht nicht durch Zufügen, sondern durch Zurückführen auf das Wesentliche.
Tiefe mit Bodenhaftung
Skepsis gehört zu dieser Arbeit dazu, nicht als Irritation, sondern als gesunder Ausgangspunkt. Wer zum ersten Mal von Spagyrik, von Aufstellungsarbeit oder von einem Geburtshoroskop hört, bringt meist beides mit: Neugier und einen inneren Vorbehalt. Beides darf nebeneinanderstehen.
Ein bisschen Glauben gehört tatsächlich dazu. An das, was in einer Pflanze steckt. An das, was sich in einer Aufstellung zeigt. An das, was ein Geburtsbild über einen Menschen erzählen kann.
Gleichzeitig bleibt mehr als Glauben übrig. Eine spagyrische Rezeptur steht als Flasche vor Ihnen, Sie riechen beim Öffnen die für die Pflanzen typischen Aromen, und in der Pflanzengeschichte dazu steht jede Pflanze mit Namen, die Teil der Rezeptur ist. Was sich in einer Aufstellung zeigt, lässt sich in dem Moment beobachten, in dem es geschieht, nicht erst im Nachhinein hineindeuten. Und ein Geburtsbild besteht zunächst aus errechneten Positionen zu einer bestimmten Minute an einem bestimmten Ort, bevor daraus überhaupt etwas gedeutet wird.
Was daraus wird, ist Erfahrung. Keine Glaubensfrage.
Diese Arbeit hat zwei Seiten, die zusammengehören: eine feinstoffliche, die sich nicht messen lässt, und eine handwerkliche, die sich an Pflanzen festmachen lässt, an Apotheke, Physiotherapie und Neurologie, an über dreißig Jahren in Gesundheitsberufen. Die eine trägt ohne die andere nicht.
Skeptisch bleiben dürfen Sie auch nach dem ersten Termin noch. Alles zu glauben, was dabei zur Sprache kommt, ist keine Voraussetzung für diese Arbeit.
Vor mehr als 5.000 Jahren sammelten Priesterinnen und Heilkundige in Mesopotamien Pflanzen zu bestimmten Mondphasen, verbrannten Harze in rituellen Feuern und sprachen Gebete, während sie ihre Elixiere zubereiteten. Krankheit war für sie nichts rein Körperliches. Sie sahen den Menschen als Teil eines Ganzen: Körper, Geist, Seele – eingebettet in den Kosmos.
Über Ägypten und Griechenland kam dieses Wissen nach Alexandria. Dort arbeiteten Alchemistinnen und Gelehrte an den vier Elementen – Feuer, Wasser, Erde und Luft – und an dem, was sie dahinter vermuteten: dem spiritus, dem Geist der Dinge. Was sie taten, war Handwerk und Gottesdienst zugleich – eine Trennung zwischen beidem gab es nicht.
An der Schwelle zur Neuzeit übersetzte Theophrastus Bombast von Hohenheim diese Schriften: Paracelsus (1493–1541), Arzt, Astrologe, Alchemist und Mystiker. Er gab dem Verfahren seinen heutigen Namen: Spagyrik, aus dem Griechischen spao, trennen, und ageiro, wieder vereinen.
Das ist bis heute ihr Prinzip. Durch Gärung, Destillation und Veraschung werden die Bestandteile einer Pflanze getrennt, gereinigt und wieder zusammengeführt. Dieser Weg definiert den Unterschied: Die Pflanzenkraft kann sich so zu etwas Vielschichtigerem wandeln.
Wer damit arbeitet, arbeitet mit etwas, das aus der Tiefe, dem Ursprünglichen emporkommt.
Energetik – Mythen, Märchen und Morphologie
Neben dem jahrhundertealten Pflanzenwissen z. B. der Kelten oder christlich geprägter Fachkundiger wie z. B. Hildegard von Bingen können auch Mythen und Märchen uns etwas über die Energetik einer Pflanze verraten. Viele der heute gebräuchlichen Namen tragen dieses alte Wissen noch in sich. Iris versicolor etwa trägt den Namen der griechischen Götterbotin des Regenbogens. Wer sich von ihr inspirieren lässt, findet darin das Thema des Sehens zwischen den Zeilen: vielschichtig wahrnehmen, und selbst gesehen werden.
Wer sich lieber optisch orientieren möchte, kann sich von der Form einer Pflanze leiten lassen. Juniperus communis trägt in seiner Beerenkapsel ein Symbol, das an einen Stern erinnert und in der tibetischen Tradition für Schutz und Sicherheit steht.
Auch der Ort, an dem eine Pflanze wächst, gibt Hinweise auf ihr Wirkspektrum. Arnica montana – die am Berg Stehende – steht für das Aufwärtsstrebende: die Kraft, sich auch unter kargen Bedingungen zu behaupten und zu wachsen.
Im Rhythmus des eigenen Werdegangs
Zwei Frauen können mit demselben Thema kommen und mit zwei Flaschen nach Hause gehen, in denen kaum eine Pflanze dieselbe ist. Das liegt daran, dass es für diese Arbeit keine Formel gibt. Ich suche die Pflanzen für jede Rezeptur neu, phänomenologisch, das heißt: offen für das, was sich zeigt, statt mit einem fertigen Schema in das Gespräch zu gehen.
Was den größten Unterschied macht, ist dabei weniger das Thema selbst als der Moment, in dem eine Frau mir gegenübersitzt. Derselbe Verlust oder Stillstand, dieselbe Erschöpfung oder Frage nach dem nächsten Schritt sehen an einem frühen Punkt im eigenen Werdegang anders aus als an einem späten. Was vor fünf Jahren noch offen war, kann heute geklärt sein. Was heute drängt, war vor fünf Jahren womöglich noch nicht spürbar.
Deshalb frage ich im Gespräch nicht als Erstes nach dem Thema. Ich frage, wie lange es schon da ist und was sich daran seither verschoben hat. Welcher Moment gerade da ist, entscheidet dann über die Auswahl der Pflanzen. Die Antwort darauf ist bei jeder Frau eine andere, und bei derselben Frau zu einer anderen Zeit womöglich auch.
Wie eng Moment und Rhythmus zusammenhängen, zeigt sich besonders im Lebens-Integrations-Prozess, den ich hier, auf dieser Seite, beschreibe.
LIP - Lebensprozesse integrieren
Manchmal ist nicht ein einzelnes Thema das Anliegen, sondern die persönliche Lebensgeschichte. Dann kann die Arbeit den Weg des Lebens-Integrations-Prozesses nach Wilfried Nelles nehmen. Er bleibt in der Gegenwart und in Ihrer Biografie: Sie stehen darin Ihren Entwicklungsstufen gegenüber und allem, was war – so, wie es war. Ihre heutige Kraft als Erwachsene kann aus dem uneingeschränkten Ja zu dem erwachsen, was Sie erlebt und durchlebt, beschützt und bewahrt haben.
Das ist ebenso ein Weg, der im Einzelsetting offensteht. Ob wir ihn gehen, zeigt sich im Termin selbst.
Diese Arbeit kann tief gehen und sie setzt voraus, dass Sie ihr aus einer erwachsenen Position begegnen können. Gemeint ist die Haltung, mit der Sie auf Ihre Geschichte schauen – nicht das Alter oder ein bestimmter Reifegrad. Es ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann innehat: In einem Bereich Ihres Lebens ist er womöglich längst da, in einem anderen noch nicht. Wir schauen gemeinsam, was gerade ansteht. So kann aus dem, was Sie erlebt haben, eine erwachsene Grundhaltung zum Leben entstehen.
Klassische Medizin und
Naturheilkunde - Seite an Seite
Ob Sie dauerhaft Hormonpräparate oder Medikamente für Herz und Kreislauf einnehmen oder nur gelegentlich zu einem homöopathischen Mittel greifen: Beide Situationen kommen in der Praxis vor und beide brauchen einen eigenen Blick.
Je mehr klassische Medizin unser Organismus bereits zu verstoffwechseln hat, desto weniger Raum bleibt daneben für eine feine spagyrische Rezeptur. Wenn Sie unsicher sind, klären Sie bitte vorab mit der Praxis, die Ihnen die Medikamente verschreibt, ob sich beides verträgt. Was Ihnen ärztlich verordnet ist, bleibt in unserer Begleitung unberührt.
Für weitere naturheilkundliche Mittel gilt dasselbe: Zu viele Köche verderben den Brei.
Möchten Sie die Wirkung eines Mittels für sich entdecken, sollte dieses Mittel möglichst viel Spielraum bekommen, zeitlich und in dem, was körperlich und seelisch sonst noch läuft.
Naturheilkunde braucht Zeit. Ich empfehle Ihnen, ihr diese zu lassen, unabhängig davon, welchen alternativen Weg Sie für sich wählen. Darüber hinaus respektiere ich Ihre persönliche Entscheidung zu diesem Thema, auch im Rahmen unserer Behandlung.
Was ich in die Tat umsetzte, ist das, was ich spüre
Augenblick zu Augenblick
Richtig oder falsch ist nicht ersichtlich
Tatsächlich gibt es immer wieder nur den einen wirklichen Impuls
Eine vorwärts fließende Bewegung mit Höhen und Tiefen
Nur mit einem Ausgang, der nicht planbar ist
Also weiter
Wissen um das Künftige, dass sie auf mich zukommt, die Zukunft
Aufregung vor dem Abenteuer
Reiner Stillstand oder
Trügerische Ruhe vor dem Sturm
Erwartungslos
Nicht-tun zulassen
Und
Will ich es überhaupt, das
Ankommen oder
Reicht es schon auf dem Weg zu sein, im
Tanz des Lebens,
Eine Bewegung, die mich trägt,
Neu und immer wieder neu!
Ffm, Juli 2014
Der Übergang ist weder Ende noch Anfang
er ist etwas ganz Eigenes
er steht nur für sich.
Seine Dauer und seine Richtung sind ungewiss
das ist es, was ihn ausmacht
weswegen wir ihn mitunter fürchten
ihn vermeiden wollen
ihn abwerten als etwas Unvollständiges.
Er verunsichert
er desillusioniert
er spurt
er schürt unzählige Hoffnungen
er enttäuscht
er spurt erneut
er überrascht.
Er fordert Offenheit
er fordert Vertrauen
er fordert Loslassen
er fordert Weitergehen, ohne die Route zu kennen
er fordert Beharrlichkeit
er fordert Bestehen in der Orientierungslosigkeit
er fordert Gnade mit sich selbst
er fordert seine Zeit, die er braucht
er fordert Demut den Dingen gegenüber, wie sie sind.
Er fordert ohne zu fordern
das Fordern ist pure Selbstverständlichkeit.
Ebenso wie am Ende
wenn seine Bewegung zu etwas Neuem geführt hat
der Übergang denjenigen
der den Weg mitgegangen ist
ohne Zögern beschenkt.
Er beschenkt ihn mit etwas Neuem
mit etwas Unerwartetem
mit etwas Ausgereiftem
mit einer Erweiterung des Alten und
er gibt das vorab geliehene Vertrauen zurück, vielfach.
Eifel, Januar 2014